Monatsarchiv: September 2012

Spiderwebs, spiderwebs…

As much as I hate spiders…I do love the fragile little constructions they’re living on. Only problem is: most time I manage to find a really beautiful spiderweb…the spider is also at home. Hauntingly beautiful and breathtaking scary as well.

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Viola di Grado – Siebzig Acryl, dreißig Wolle

Das Leben der 19-jährigen Camelia ist ein Albtraum: ihr Vater ist mitsamt seiner Geliebten bei einem Autounfall ums Leben gekommen, ihre Mutter weigert sich seitdem, zu sprechen und sie muss sich alleine dem Leben im trostlosen Leeds stellen. Um sich und ihre Mutter durchzubringen bricht sie ihr Chinesischstudium ab und verdingt sich als Übersetzerin für Waschmaschinenbedienungsanleitungen. Ihr Leben versinkt in Hoffnungslosigkeit und Trübsaal, bis sie eines Tages verschnittene Kleidungsstücke in einem Müllcontainer findet. Camelia ist fasziniert von der schrägen Ästhetik der Kleider und wird eines Tages von dem Chinesen Wen angesprochen, dessen Bruder Jimmy die Kleider genäht hat. Wen bietet ihr an, ihr Chinesischunterricht zu geben und sie meldet ihre Mutter, die seit Monaten nicht viel anderes macht als stumpfsinnig herumzuliegen oder Löcher zu fotografieren schließlich zu einem Fotokurs an. Es scheint aufwärts zu gehen…

Es begriff einfach keiner, dass es die Wörter sind, die sich dem Leben entgegenstellen, sie entstehen in deinem Kopf, du bildest sie in deinem Mund, doch dann schmierst du deine Stimme darüber wie Butter und tötest sie für immer. Die Sprache ist wie ein unbewusstes Krematorium, das teilen will und dabei doch zerstört, wie die Klinge an Edwards Scherenhänden, mit denen er dir das Gesicht zerschneidet, wenn er dich streichelt.

Viola di Grado reißt den Leser mit “Siebzig Acryl, dreißig Wolle” tief hinunter in das hoffnungslose Leben der jungen Camelia. Geschickt wie eine Spinne umgarnt sie ihre Leser mit kunstvollen, wortgewaltigen Sätzen und erfrischenden Vergleichen, allerdings schnürt einem der Lauf der Dinge irgendwann die Luft ab. Die Schlinge zieht sich zu und man glaubt, zu ersticken, ersticken an dem absoluten Mangel an Lebenslust der Protagonistin und ihrer umso größeren Affinität zur Selbstzerstörung. So schön di Grados Stil auch ist, so verstörend und fast schon widerlich ist die Geschichte. “Siebzig Acryl, dreißig Wolle” ist eines dieser Bücher, die eigentlich ein “Parental Advisory”-Logo auf dem Cover bräuchten.

Eine Junge Frau auf der Suche nach der verlorenen Schönheit der Welt, dem Ende des Winters und den richtigen Klamotten.

Das ist der Klappentext zu “Siebzig Acryl, dreißig Wolle”. Normalerweise tippe ich keine Klappentexte ab, ich finde es einfach schöner, die Handlung kurz in eigenen Worten zu wiedergeben. Aber hier finde ich die Diskrepanz zwischen dem, was der Klappentext verspricht und was sich tatsächlich zwischen den Buchdeckeln abspielt so gravierend, dass ich ihn euch nicht vorenthalten kann. Sicher, Camelia hadert mit ihren Leben und wünscht sich, sie könnte Leeds hinter sich lassen und ihrer Situation entfliehen. Und ja, sicher, sie fischt Kleidung aus Müllcontainern und beginnt wenig später, diese Altkleider zu verändern, zu zerstören und ihnen anschließend neues Leben einzuhauchen. Aber es geht genauso wenig um Mode wie um eine “aktive” Suche nach der verlorenen Schönheit der Welt. Der Klappentext klingt für mich eher nach harmlos-netter “Feel good”-Lektüre als nach dem, was sich auf den 254 Seiten tatsächlich abspielt.

Ich weiß nicht so recht, was ich von “Siebzig Acryl, dreißig Wolle” und Viola di Grado halten soll. Ihr Stil gefällt mir sehr gut, allerdings würde ich mir wünschen, dass sie ihr Schreibtalent auf einer anderen literarischen Spielwiese nutzen würde. Ihr Debütroman ist zunächst trostlos grau, dann zerstörend und zunehmend widerlich. Nicht im negativen Sinne, schließlich gehe ich davon aus, dass diese Wirkung der Intention der jungen Italienerin entspricht, allerdings: so ganz kann ich mich nicht damit anfreunden. Dennoch bin ich gespannt, was von di Grado noch so kommen wird.

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Juli Zeh – Nullzeit

Unter Wasser waren die Beziehungen einfach, Bedürfnisse eindeutig und Reaktionen radikal. Wer zehn Meter in die Tiefe tauchte, reiste zugleich zehn Millionen Jahre in der Evolutionsgeschichte zurück – oder an den Anfang der eigenen Biographie. Dorthin, wo das Leben begann, im Wasser schwebend und stumm.

Sven Fiedler hat Deutschland kurz nach seinem Jura-Examen den Rücken zugewendet und ist nach Lanzarote ausgewandert um dort mit seiner Partnerin Antje eine Tauchschule zu eröffnen. Sein Leben verlief lange Jahre in geruhsamen Bahnen und er stellte nicht mal seine Beziehung zu Antje, die er nicht liebt, auf die er aber dennoch nicht verzichten konnte in Frage. Bis er eines Tages seine beiden Kunden Jolante und Theo vom Flughafen abholt. Schnell bemerkt Sven, dass es sich bei dem Pärchen, dass ihn exklusiv für zwei Wochen Intensivbetreuung gebucht hat nicht um normale Touristen handelt. Jolante will sich mit Svens Hilfe für eine Rolle fit machen, zugleich fungiert das Tauchrevier aber auch als Schlachtfeld im undurchsichtigen Kleinkrieg zwischen der Schauspielerin Jola und dem Schriftsteller Theo. Sven gerät zwischen die Fronten und ist schneller als er sich versehen kann mittendrin in einem verhängnisvollen Spiel, dass sein Leben verändern wird.

Vor knapp einer Stunde hat Theo mal wieder versucht, mich umzubringen. Klingt wie der Anfang eines Krimis. Ist es aber nicht.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen Svens Sicht der Dinge und Jolas Tagebucheinträge. Anfangs, als die Rollenverteilung auch noch klar war stimmen beide Versionen überein und ergänzen sich. Aber je tiefer Sven sich im intrigant gesponnenen Netz seiner beiden Kunden verheddert, desto größer werden die Diskrepanzen zwischen den beiden Versionen. Lüge und Wahrheit, Liebe und Hass, Begehren und Abscheu legen einen flotten Tango aufs Parkett und schließlich weiß der Leser nicht mehr so recht, wie es sich eigentlich zugetragen hat. Die Anzeichen häufen sich, doch wird es Sven gelingen, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und sich den schädlichen Einfluss des Paares zu entziehen?

Vielleicht konnten sie zitieren, dass Nullzeit die Zeitspanne war, die ein Mensch in einer bestimmten Tiefe tauchen konnte, ohne sich bei der sofortigen Rückkehr an die Oberfläche einem Gesundheitsrisiko auszusetzen.

Juli Zeh ist es mit “Nullzeit” gelungen, einen ebenso subtilen wie furiosen Thriller abzuliefern. “Nullzeit” ist wie ein Kopfsprung ins eiskalte Wasser, man taucht zwangsläufig tief ein und die Eiseskälte raubt einem den Atem. Und das, obwohl Zehs Sprache den Leser einlullt und wärmt wie ein kuscheliges Handtuch nach eben jenem Bad. Blutige Zwischenfälle sowie billige Thrillereffekte findet man nicht, aber gerade die karge Poetik des Romans ist der Grund dafür, warum einige ihrer Sätze eigentlich in Stein gemeißelt gehören. “Nullzeit” erzählt nicht nur eine Dreiecksgeschichte zwischen Liebenden, sondern nimmt den Leser mit auf eine Reise in philosophische Tiefen. Bedeutet Liebe nicht immer auch Krieg? Zeh beleuchtet neben Abgründen am Meeresgrund vor allen Dingen auch die Abgründe der menschlichen Seele. Ich würde sagen, “Nullzeit” ist auf jeden Fall einer der besten Thriller, die ich dieses Jahr bisher gelesen habe.

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The Gentleman’s Flute – Stefan Temmingh & Ensemble

Mit Musikinstrumenten ist das so eine Sache, zu Klavierklängen schmelze ich z.B. hoffnungslos dahin, mit der Panflöte kann man mich jagen und die Blockflöte…ja, da werden Erinnerungen an lange zurückliegende Nikolausabende wach. Kurzzeitig habe ich mich an der Blockflöte versucht und musste schnell feststellen, dass meine Talente wohl doch eher anderswo angesiedelt sind. Seitdem war die Blockflöte für mich das Stiefkind unter den Instrumenten und umso mehr war ich gespannt auf das gestrige Konzert. Stefan Temmingh und sein Ensemble (vertreten waren neben der Blockflöte auch eine Barockharfe, Cembalo, Barockfagott und Laute) gaben sich gestern im Schloss Elmau die Ehre. The Gentleman’s Flute – Händel, Corelli und Vivaldi standen unter anderem auf dem Programm.

Alleine der Konzertsaal ist umwerfend, alle Konzertsäle, die ich bisher besucht habe waren relativ groß, anonym, mit durchnummerierten Sitzen, von “Musiker zum Anfassen” konnte nie die Rede sein. Der Konzertsaal in Elmau ist da eine ganz andere Kategorie, die Konzerte sind in einen fast schon intimen Rahmen und wer will darf auf einen der unglaublich bequemen Sofas Platz nehmen. Wohnzimmeratmosphäre pur. Leider zog ausgerechnet an einen meiner Lieblingsstücke des Abends (La Follia – Arcangelo Corelli, und ja, ich gebe zu, ich kenne den Namen nur weil er auf dem Programm stand!) ein Gewitter auf. Zum Glück hatte es nur ein kurzes Intermezzo, es wäre wirklich schade gewesen, wenn heftiger Donner das Konzert getrübt oder gar abgebrochen hätte. (nicht nur) Mir hat es so viel Spaß gemacht, den Musikern zuzuhören + zu sehen, mit welcher Leidenschaft sie spielen. Stefan Temmingh hat eine regelrechte Performance hingelegt, die – dafür, dass es sich um klassische Musik handelt – schon fast an einen Rockstar erinnert. Entsprechend begeistert war dann auch das Publikum. Dieser Abend hat mir gezeigt, dass die Blockflöte zu unrecht unterschätzt wird – auch wenn ich mich nach wie vor lieber aufs Zuhören beschränken werde. Aber wenn ich es mir genauer überlege…es hat schon so seinen Grund, warum der Rattenfänger mit einer Flöte durch Hameln zog, nur das Temminghs Truppe keine Nagetiere sondern unter anderen mich tief in ihren Bann gezogen haben. Wirklich sehr beeindruckend, leider werden meine Worte der Musik nicht gerecht, also hört einfach selbst:

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Jonas Jonasson – Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Ein runder Geburtstag ist schon etwas besonderes, wenn das Geburtstagskind dann auch noch 100 Jahre alt wird stehen im Seniorenheim nicht nur die Bewohner Schlange, um zu gratulieren. Presse und Bürgermeister haben sich ebenfalls angemeldet. Zu dumm nur, dass das Geburtstagskind Allan Karlsson kurz vor Beginn der Feierlichkeiten beschließt, zu türmen. Es beginnt eine abenteuerliche Odyssee durch Schweden, während der Karlsson das Land auf den Kopf stellt. Unglaublich, wie sich ein Hundertjähriger auf der Flucht durchschlagen kann, aber Karlsson hat ein leichtes Spiel, schließlich hat der rüstige Renter in seinen jüngeren Jahren die Weltgeschichte gehörig durcheinander gebracht und ist mit allen Wassern gewaschen.

Staubtrockener Humor, die unglaublichsten Begegnungen und eine Reise um die Welt und in die Vergangenheit eines Hundertjährigen – das sind die Zutaten, die Jonas Jonassons Roman zu einen Weltbestseller machten. So skeptisch ich manchen Bestsellern auch gegenüber stehe, “Der Hundertjährige” hat mein kleines Leserattenherz im Sturm erobert. Allan Karlsson ist einfach unheimlich sympathisch, und das trotz seiner…wie soll ich es ausdrücken…äußerst flexiblen Moral? Karlsson ist ein Lebenskünstler, der den vermeindlich sicheren Tod schon mehrmals tief ins Auge geblickt hat, sich dann aber aus den unmöglichsten Situationen wieder heil herausmanövriert hat.

Sicher ist bei der Handlung viel Zufall und auch Glück im Spiel und ich würde jetzt auch nicht gerade meine Hand dafür ins Feuer legen, dass alles, was Karlsson über sein Leben erzählt sich auch tatsächlich so zugetragen haben könnte. Aber das macht eben auch wieder den Charme des Romans aus. Erwähnenswert ist auch der tolle Stil von Jonasson, seine spielerische und zugleich geschliffene Sprache, die vielen Wortwitze und nicht zuletzt auch die schrägen Charaktere machen “Der Hundertjährige…” zu einem Lesevergnügen, das seinesgleichen sucht. Unbedingt lesen!

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Der Menschenräuber von Sabine Thiesler

Diesmal hab ich keine Lust auf Foto machen / bearbeiten und so, ich hoffe Ihr verzeiht es mir…
Ich hatte die Ebook Variante von Sabine Thieslers “Der Menschenräuber”

Der Text auf der “Rückseite”:

Wehe, wenn wir uns wiedersehen

Zuerst verliert er durch einen schrecklichen Unfall seine Tochter. Dann seinen Job und schließlich seine Frau. Als der erfolgreiche Medienmanager Jonathan in einem einsamen Bergdorf in der Toskana ankommt, scheint er am Ende zu sein. Doch dann trifft er die junge Sophia und beginnt mit ihr ein neues Leben, bis ihn die Vergangenheit einholt. Aus Rache wird er zum Mörder, aber das ist erst der Anfang.

Das Buch / Die Geschichte / Die Autorin:

Auch wieder mal eine neue Autorin, habe mich vom Titel und von der Kurzbeschreibung leiten lassen. Die klang ja soweit auch nicht schlecht aber ich kam mir gelinde gesagt “verarscht” vor. Warum wieso weshalb …?
Die ganze Geschichte kommt nur sehr langsam in Schwung, es geht erstmal um Jonathan und seine Familie … Über 50% des Buches befassen sich mit der Vorgeschichte, seine Tochter stirbt und verlässt Deutschland. Dort mietet er sich bei einer Familie mitten im nirgendwo ein und trifft dort eine Frau die seiner Tochter zum verwechseln ähnlich sieht. Er hat das Gefühl mit Ihr wieder alles gut machen zukönnen. Viele weitere Seiten vergehen, wir sind dann schon bei ca 70% angekommen, als der Richter der damals das Verfahren für seinen Freund “günstig” gedreht hat sich bei ihm einmietet. Durch Zufall erfährt er von der Geschichte wie es damals gelaufen ist und das der Täter der seine Tochter totgefahren hat nur deswegen so glimpflich davon gekommen ist. In einer Kurzschlussreaktion ermordet er den ehemaligen Richter.
Auf der Trauerfeier in Deutschland trifft auf den damaligen Fahrer und erfährt das seine Frau schwanger ist. … So bei 90% fährt er nochmal nach Deutschland geht ins Krankenhaus und stiehlt das Kind. Die letzten 10% des Buches sind wie die vorherigen Seiten total platt und langweilig geschrieben.

So … warum komme ich mir verarscht vor? Der Klappentext und auch die Beschreibungen bei Amazon lassen auf ein wirklich spannenden Roman hoffen. Was man bekommt ist aber absolut langweilig. Unter so einem Titel und bei der Beschreibung hätte ich mir was reisserisches vorgestellt.

Also “Empfehlen” kann ich dieses Buch nur denen die wirklich sanfte Thriller / Krimis mögen. Wobei das was hier geboten wird wirklich schon der absolute Weichspüler unter den Krimis ist.

Viele Grüße

Euer Darksoul

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Dandelion

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…and this is why I need a tripod!

Seit heute bin ich endlich stolze Besitzerin von einen Satz Zwischenringe. Als nächstes auf der Liste (auch wenn ich das Geschleppe hasse und nicht ganz so heimliche Vorliebe für verwackelte Fotos habe): ein Stativ. Und einen neuen guten Vorsatz habe ich auch schon: Ich werde nie nie nie nie nie wieder versuchen, Spinnen zu fotografieren. Besonders nicht richtig fette Spinnen, die auf meinen Balkon hausen. Während ich noch auf der Suche nach dem richtigen Blickwinkel war bin ich wohl ans Netz geraten. Ende vom Lied: die Spinne ist spurlos verschwunden und ääääääääääh…

Finally, I’m the proud owner of a pair of extension tubes. And I quickly noticed that I really need to use a tripod. I’m not a big fan of having to drag everything around while being on a photo tour, and what is more: I’m secretly in love with diffuse, wiggly photos. Anyway, I decided to do one thing never ever ever ever ever again: taking pics of that huge spider living on my balcony. While I was trying to find the right angle, I must have touched her web. Next thing I know: the spider dissappeared. And I’m really not too fond of spiders…

 

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Michael Hübner – Sterbestunde

Irgendwann ist es bei jedem mal so weit, doch zunächst sieht der Tod des 19-jährigen Erik Jensen nach einen reinen Routinefall für die Polizei aus: Autounfall mit Fahrerflucht. Doch der hinzu gerufene Kommissar Sven Becker wittert Lunte, irgendetwas an den Tod des jungen Pflegers kommt ihm nicht geheuer vor. Ein Notizbuch mit kryptischen Inhalt führt Becker schließlich an den Arbeitsplatz des Opfers, das Seniorenpflegeheim Waldesruh, in dem auch Sandra, die Noch-Ehefrau von Becker arbeitet. Eines Tages verschwindet der Leiter des Heims spurlos, HIV-resistente Zellen finden sich bei den Heimbewohnern und die Ereignisse überschlagen sich. Plötzlich muss Becker sich nicht nur mit einen weiteren Verlust sondern auch mit seinen Erzfeind, dem Reporter Walter Koschny herumschlagen. Sie scheinen den Machenschaften einer skrupellosen Bande auf der Spur zu sein und bringen sich damit selbst in höchste Gefahr…

“Sterbestunde” ist Michael Hübners zweites Werk, sein Debüt “Stigma” konnte mich damals leider nicht so sehr überzeugen, entsprechend habe ich meine Erwartungen gezügelt und bin positiv überrascht worden. “Sterbestunde” ist raffiniert konstruiert und hat mich bis zur letzten Seite – und auch darüber hinaus – nicht mehr losgelassen. Die Charaktere sind zwar nicht sonderlich überraschend, aber vielleicht liegt es auch einfach an mir, irgendwann wird der zigste Ermittler mit Eheproblemen, der im Laufe der Handlung an dem Fall und seinen eigenen Problemen zu zerbrechen droht auch langweilig. Fairerweise muss ich aber sagen, dass ich das nicht Hübner ankreiden kann, mein Krimibedarf scheint in letzter Zeit einfach gestillt zu sein.

Der wirkliche Trumpf, den Hübner in der Hand hat ist das, was sich hinter dem Geheimnis um das Seniorenheim Waldesruh verbirgt. Ich will nicht zu viel verraten und drücke mich daher mal sehr vage aus, aber das Thema hat mich wider erwarten doch berührt und sehr nachdenklich gemacht. Was die Charaktere erleben müssen ist grausam, höchst menschenverachtend und leider absolut nicht unrealistisch. Wie so oft im Leben steckt sehr viel mehr hinter der Fassade als man zunächst vermuten möchte. “Sterbestunde” ist ein spannender Thriller um kriminelle Machenschaften im Spannungsfeld zwischen Politik und Wirtschaft, zwischen Medizin als heilendes Mittel und der Wissenschaft an sich. Wo “Stigma” mich mit einer Szene im Kopf und Verärgerung über das Ende zurückgelassen hat wirft “Sterbestunde” für mich die Frage auf, wo die Grenze ist. Ihr wisst, ich liebe Bücher, deren Thematik mir auch nach der letzten Seite nicht mehr aus den Kopf geht. “Sterbestunde” ist eines davon.

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