Monatsarchiv: Juli 2012

Chris Adrian – Die große Nacht/The great night

Titania und Oberon, ihres Zeichen Königin und König der Elfen leben mit ihrem Hofstaat in einem Hügel im Buena-Vista-Park in San Francisco. Sie haben sich ein sterbliches Kind gestohlen, das einige Zeit später seiner Krebskrankheit erliegt. Titania ist untröstlich und wütend, zumal Oberon verschwunden ist. Zu allen übel naht “Die große Nacht”, das Jubiläum der Nacht, in der Oberon und Titania den gefährlichen Kobold Puck mit einem Bann belegt haben. Titania löst diesen Bann, doch dank eines Zaubers Oberons kann Puck den Hügel nicht verlassen. Dummerweise haben sich aber just in dieser Nacht drei Sterbliche auf dem Hügel verirrt. Eigentlich wollten sie nur zu einer Party, was sie aber erwartet ist ein skurriles Abenteuer, in dem es schließlich um Leben und Tod geht.

“Die große Nacht” hinterlässt mich fast ein bisschen sprachlos. Die Idee, Shakespeares “Sommernachtstraum” in die Gegenwart zu versetzen ist sicherlich nicht neu, aber die Umsetzung ist für meinen Geschmack etwas zu schrill und chaotisch geraten. Adrian erzählt in “Die große Nacht” nicht nur von den Geschehnissen eben jener Nacht sondern wirft auch einen Blick in die Vorgeschichte der Protagonisten. Da wäre zum Beispiel die Verkäuferin Molly, die  den Selbstmord ihres Geliebten nicht verkraftet hat und auch noch mit den Dämonen ihrer Kindheit ringt während der homosexuelle Kinderarzt Henry noch an der Trennung von Bobby zu knabbern hat. Will, der Baumpfleger hofft hingegen, auf der Party seine verlorene Liebe Carolina wieder zu sehen und für sich gewinnen zu können, derweil proben eine Gruppe von Obdachlosen ein Musical im Park, immer wieder unterbrochen von den Quickies des Regisseurs im Gebüsch.

So weit, so gut. Leider verzettelt sich Adrian, strickt aus seinen Erzählsträngen ein undurchdringliches Dickicht und hat letztendlich damit meiner Leselust den Garaus gemacht. Adrian schreibt sich vom hundertstel ins tausendstel und erstickt damit den Zauber seiner stellenweise doch ganz amüsanten Einfälle. Obszöne Szenen, in denen ein Parkbesucher von einem Zwerg beim masturbieren erwischt wird sind an der Tagesordnung. Ich habe während der ganzen 443 Seiten gehofft, das erzählerische Chaos würde sich lichten und zu einem schlüssigen ganzen zusammenfügen. Leider vergeblich.

Letztendlich bleibt wohl eine Erkenntnis: wer sich mit Shakespeare messen will unterliegt zwangsläufig und dem Original kann auch Chris Adrian nicht das Wasser reichen. Ich hatte eigentlich große Hoffnungen in “Die große Nacht” gesetzt, ich hatte gehofft, dass es mich ein bisschen an Matt Ruff’s “Fool on the Hill” erinnern wird, allerdings hat Ruff die Fäden wesentlich besser in der Hand als Adrian es in der großen Nacht vermochte. Ruff jongliert ebenfalls mit vielen verschiedenen Handlungssträngen, bringt Fantasiewesen zum Leben und verweist auf große Autoren wie Shakespeare, aber: im Gegensatz zu Adrian lässt er seine Bälle nicht fallen. “Die große Nacht” war für mich – so sehr es mir weh tut, das schreiben zu müssen – einfach nur eines: eine große Enttäuschung.

English Version: coming soon.

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Im Bücherwahn…

Vor einiger Zeit habe ich euch ja von der Bücher-Rundreise-Box erzählt, die Miriam ins Leben gerufen hat. Gestern war es dann so weit, als ich nach Hause kam wartete das Paket schon auf mich. Schauen wir doch mal, was passiert, wenn man mich mit einen Paket prall gefüllt mit 21 Büchern konfrontiert…

Meine Vorgängerin scheint definitiv zu wissen, wie man Büchermenschen noch glücklicher machen kann. Viiiiielen Dank dafür! :)

Meine Auswahl:

  • Alex Kava – Das Böse
  • Peter Prange – Das Bernstein-Amulett
  • Laura Brodie – Ich weiss, du bist hier
  • David Hewson – Villa der Schatten

Dafür habe ich auf Reise geschickt:

  • Francoise Lelord – Hectors Reise: wurde mir zwar wärmstens empfohlen, aber trotzdem bin ich mit diesem Buch einfach nicht so richtig warm geworden. Ich hoffe, es findet ein Zuhause, das es mehr zu würdigen weiß…
  • Haruki Murakami – Der Elefant verschwindet: habe ich selbst noch nicht gelesen, aber es ist ja kein Geheimnis mehr, dass ich ein riesiger Murakami-Fan bin. Diese Liebe geht so weit, dass mir gar nicht aufgefallen ist, dass ich im Eifer des Gefechts sowohl die deutsche als auch die englische Version gekauft habe. Die englische Version bleibt bei mir und die deutsche Version wird hoffentlich einen anderen (neuen?) Murakami-Fan in die Hände fallen.
  • Ferdinand von Schirach – Schuld
  • Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt: ein Überbleibsel der Lesefreunde-Aktion, habe ich selbst noch nicht gelesen, aber dafür schon so viele begeisterte Meinungen davon gehört. Ich bin gespannt.

Weil das Paket leider in den Genuss einer unfreiwilligen Sommerregen-Dusche gekommen ist und die Pappe keinen halbwegs tragfähigen Eindruck mehr gemacht hat (keine Angst, die Bücher sind zum Glück alle heil geblieben!) macht sich das Paket jetzt im neuen Outfit wieder auf die Reise…

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist kann sich nach wie vor bei Miriam für diese tolle Aktion anmelden! An dieser Stelle noch vielen vielen Dank an Miriam, dass sie sich die Mühe gemacht hast und diese Aktion ins Leben gerufen hast. Ich war wirklich positiv überrascht von der bunten Mischung an Büchern (zum Glück für meinen SuB* kenne ich viele der enthaltenen Bücher schon, sonst wäre es wohl nicht bei den 4 Büchern geblieben…) und würde jederzeit wieder dabei mitmachen!

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Philobolus Dance Theatre – Shadowland

Das Philobolus Dance Theatre ist wieder in Deutschland unterwegs, unter anderem vom 1. – 12. August in München. Ich freu’ mich drauf!

 

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Same same but different…

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Nicole Krauss – Das grosse Haus/Great House

Über 25 Jahre lang arbeitete die New Yorker Schriftstellerin Nadia an einen Schreibtisch, den ihr ein chilenischer Dichter geliehen hat. Eines Tages steht plötzlich eine junge Frau vor Nadias Tür und behauptet, die Tochter von dem Chilenen Daniel Varsky zu sein und fordert den Tisch zurück. Nadia gibt den Schreibtisch breitwillig heraus, bereut es aber schon kurz darauf. Sie hat sich all die Jahre zwar nur als die Hüterin des Tisches betrachtet, aber ohne fehlt ihr doch etwas. Schließlich macht sie sich auf die Suche nach dem hölzernen Möbel und reist nach Israel…

Sehen Sie, wenn wir Muster suchen, tun wir das nur, um herauszufinden, wo es Brüche gibt. Und genau an dieser Bruchstelle schlagen wir unsere Zelte auf und warten.

Nicole Krauss ist schon ein Phänomen für sich. Mir fallen so spontan nicht viele Autoren ein, die mit wenigen Worten, die eigentlich der Geschichte an sich gewidmet sind zugleich so viel von sich selbst erzählen. In “Das grosse Haus” geht es nicht um die Handlung an sich sondern um das zerbrechliche Innenleben der Charaktere. Krauss schlüpft in verschiedene Rollen und schreibt Textfragmente, die, wie es scheint zunächst nichts miteinander zu tun haben. Sie hangelt sich sozusagen von Bruchstelle zu Bruchstelle und verfolgt so den Weg des Möbelstücks, eine Art trojanisches Pferd in Gestalt eines monströsen Schreibtisches.

Die Frage indes war immer noch da, und meine Gedanken kehrten zu ihr zurück wie eine Zunge, die das weiche Fleisch an der Stelle eines fehlenden Zahns befühlt: Es tat weh, aber ich wollte es wissen.

“Das grosse Haus” erzählt weniger die Reise des Schreibtisches selbst sondern von den vielen (nicht nur imaginären) Reisen, die an eben jenen Tisch angetreten worden sind. Es geht um Liebe, um die Träume, Gefühle, eben um die Wetterlage im Inneren. Es ist schon erstaunlich, wie Krauss ihre Fäden um den Dreh- und Angelpunkt des Romans, den großen Schreibtisch webt. Vier Erzählstimmen mit völlig unterschiedlichen Ausgangspunkten streben auf einen Punkt zu. Die Erzählstruktur spiegelt sehr schön den Schreibtisch an sich wieder, verschiedene Schubladen öffnen sich, doch eine bleibt bis zum Schluss verschlossen. Ich bin während des Lesens oft verloren gegangen, habe nicht so genau gewusst, wer jetzt eigentlich erzählt und ob es überhaupt einen Zusammenhang gibt. Letztendlich bleibt ausgerechnet das, worum es eigentlich geht im dunkeln.

Es tat weh, mir das einzugestehen, aber ich hatte schon immer diesen Verdacht gegen mich gehegt, die kleine Lüge unter der Oberfläche meiner Zeilen geargwöhnt, die darin bestand, dass ich die Wörter gleichsam zur Dekoration anhäufte, während er alles mehr und mehr abstreifte, bis er sich gänzlich entblößt hatte…

Was mir bei diesem Roman fehlt ist ein roter Faden, eine Struktur, ein Muster, das mich durch die Geschichte führt oder zumindest einen Weg erahnbar macht. Und vielleicht ist die Geschichte, die man nicht wirklich als abgeschlossene Geschichte sondern viel mehr als eine Ansammlung an Fragmenten bezeichnen kann auch zu überfrachtet. (Zu?) Viele düstere Episoden aus der Vergangenheit werden angeschnitten und auch die Protagonisten tragen handfeste Probleme mit sich herum. Ich denke, das Zitat oben, dass eigentlich aus Nadias Feder stammt spiegelt Krauss’ eigene Bedenken während der Entstehungszeit wieder. Und, wie es für die Autorin – und auch deren Ehemann Jonathan Safran Foer- typisch ist bleibt auch eine Reminiszenz an das Judentum nicht aus. Nicole Krauss bezieht sich in “Das grosse Haus” auf die gleichnamige Schule nach ben Zakkai. Der ungarische Jude Weisz, eine der Erzählstimmen in Krauss’ Roman erinnert sich an die Erörterung seines Vaters:

Zweitausend Jahre sind vergangen, [...] und heute ist jede jüdische Seele um das Haus herum gebaut, das im Feuer verbrannt ist, so groß, dass sich jeder Einzelne von uns nur an ein winziges Bruchstück erinnern kann: ein Muster an der Wand, einen Ast im Holz einer Tür, eine Erinnerung an den Lichteinfall auf dem Fußboden. Aber wenn alle jüdischen Erinnerungen, die jedes Einzelnen, zusammengebracht und auch das letzte heilige Bruchstück dem Ganzen hinzugefügt würde, könnte das Haus wiederaufgebaut werden…

Als ich “Die Geschichte der Liebe” (ich habe sie auf englisch gelesen: “the history of love”) gelesen habe war ich zutiefst beeindruckt und erschüttert. Diese Geschichte klingt heute noch in mir nach. Von “Das grosse Haus” kann ich das leider in der Form nicht behaupten. Das Potential ist durchaus da, aber mit diesem Roman geht es mir wie an einen Stand voller Schmuckstücke: von der Masse bin ich geblendet und fasziniert, aber sobald ich die Details genauer unter die Lupe nehme, verschwindet der Zauber und zurück bleibt nur die Enttäuschung. Vielleicht ist es manchmal ja wirklich besser, nicht zu genau hinzusehen. Aber mein Anspruch an einen Roman ist nun mal einfach der, dass er auch meinen Blick stand halten sollte. “Das grosse Haus” zerbricht darunter leider, die Statik der Geschichte setzt zu sehr auf Bruchstücke.

Im Leben sitzen wir am Tisch und wollen nicht essen, und im Tod sind wir ewig hungrig.

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Take a walk on the wild side…

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Let the Blood spill … Belladonna by Karin Slaughter

So nach meinem Vorstellungsposting, nun hier die erste Rezession…

Kurz noch etwas vorweg, den Stil und die Art wie die Herrin des Buchstabenchaos hier schreibt, finde ich genial aber ich habe versucht mir einen abzubrechen auf ein ähnliches Level zukommen… Erfolglos… Meine Art zu schreiben ist halt anderes und wenn ich mich in eine Form zwinge kommt nicht unbedingt eine Glanzleistung dabei raus. Ich hoffe das Ihr liebe Leserschaft dafür Verständnis habt und Ihr dennoch viel Spaß beim lesen meiner Rezession haben werdet.

Karin Slaughter – Schon allen der Name macht ja schon viel her… Bei einer Autorin für Thriller lässt das auf viel gutes hoffen. Belladonna wurde mir in einer Buchhandlung empfohlen, ich hatte ein langes Gespräch mit einer Mitarbeiterin die wohl denselben Buchgeschmack wie ich zu haben scheint…

Erst einmal der Klappentext:

Sara Linton, Kinderärztin im Krankenhaus des verschlafenen Heartsdale und bei Bedarf auch Gerichtspathologin, findet in einer Restauranttoilette die schwer verletzte Sybil Adams mit zwei tiefen gekreuzten Schnitten im Bauch. Alle Versuche, die beliebte Collegeprofessorin zu retten, sind vergebens. Bei der Autopsie muss Sara feststellen, dass Sybil auf grauenhafte Weise misshandelt wurde. Dass das Opfer blind und damit fast wehrlos war, macht die Tat noch entsetzlicher …

Nun zum Buch selber:

Belladonna ist das erste Buch der Sara Lynton Reihe … Karin Slaughter macht ihrem Namen alle Ehre … In dem Roman werden die Figuren regelrecht “geschlachtet” … Gleich vorweg das Buch ist nichts für sanfte Gemüter, das Blut fliest “Literweise” und an Details wird auch nicht gespart. Vor allem die Vergewaltigungsszenen sind extrem drastisch dargestellt, ich denke da werden viele Leser auch an Ihre grenzen stoßen … Daher nochmal die Warnung! Der Roman ist nur für Hartgesottene…
Die Art mit der Frau Slaughter schreibt ist sehr fesselnd und lässt einen nicht mehr los. Der Roman ist durchweg spannend, an manchen Stellen etwas vorhersehbar… Die Charactere sind interessant und vielseitig geformt nicht alle leben in einer tollen schönen heilen Welt sondern einige haben Ihre Ecken und Kanten und auch Extrem tiefe Abgründe. Ich bin sehr gespannt wie sich ganze weiter entwickelt, denn ich denke das die Ereignisse aus diesem Buch bei manchen Personen deutliche Spuren hinterlassen werden.
Für mich ist Belladonna ein gelungener Auftakt zu einer neuen Serie, ich bin sehr gespannt wie es weiter gehen wird, es sind ja schon einige Romane dieser Reihe auf Deutsch erhältlich :D

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Death by diamonds and pearls…

Well…no diamonds, just pearls. But still…

Eigentlich wollte ich ja nur einen Weg finden, wie ich diese tollen Ohrringe (die leider zu schwer für mich sind, sie ziehen mir die Ohren einfach zu lang) doch noch tragen kann. Daraus ist meine neueste kleine Obsession geworden: Rocailles-Perlen.

I was actually searching for a way I could wear this beautiful gold earrings in spite of its heavy weight. I’d love to, but I just can’t wear it the way it was originally designed to. So my aching earlobes started a new obsession: I’m totally in love with Rocailles.

And last but not least:

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Tiere essen/Eating animals – Jonathan Safran Foer

Es gibt viele Gründe, warum Menschen anfangen, sich Gedanken darüber zu machen, ob sie wirklich Fleisch essen oder doch eher vegetarisch/vegan leben sollten. Bei Jonathan Safran Foer war die Geburt seines ersten Kindes der Auslöser für diese Überlegungen. Er war schon früher immer wieder mal Vegetarierer bis er sich schließlich doch wieder dem Fleisch zuwandte. Dann hat ihn das Thema aber gepackt und er hat über 3 Jahre lang recherchiert, ist zusammen mit einer Aktivistin in eine Truthahnfarm eingebrochen, hat Farmen, die sich “tierfreundlicher” Haltung verschrieben haben sowie Schlachthöfe besucht. Das Ergebnis seiner Recherchen rundet er mit Erzählungen aus seiner Kindheit bzw. von seiner Großmutter, die von der harten Zeit nach dem Krieg geprägt wurde ab.

“Am schlimmsten war es gegen Kriegsende. Viele Menschen starben noch am Ende (…). Ein Bauer (…) sah, wie es um mich bestellt war, ging in sein Haus und kam mit einem Stück Fleisch für mich zurück.” – “Er hat dir das Leben gerettet.” – “Ich habe es nicht gegessen.” – (…) – “Warum nicht? (…) Doch nicht, weil es nicht koscher war?” – “Natürlich.” – “Auch nicht, um dein Leben zu retten?” – “Wenn nichts mehr wichtig ist, gibt es nichts zu retten.”

Eins gleich mal vorneweg: “Tiere essen” ist kein schönes Buch. Ich bin selbst zwar eine große Tierfreundin, allerdings (noch?) keine Vegetarierin. Fleisch war für mich – aus Selbstschutz, wie ich zugeben muss – lange Zeit etwas abstraktes, dass eben aus dem Supermarkt oder vom Metzger kommt. Aber eben schon in “Fleischform”, dass ich ein vormals lebendiges Tier auf dem Teller hatte habe ich so gut wie es nur ging verdrängt. Das schlechte Gefühl, dass Tiere wegen meinen Ernährungsgewohnheiten leiden müssen hat sich allerdings nicht so gut verdrängen lassen. Mittlerweile versuche ich – auch weil mich eine neu entwickelte Laktoseintoleranz dazu zwingt -, mich mehr mit dem Thema Ernährung und eben auch, woher unsere Nahrungsmittel überhaupt kommen auseinander zu setzen.

Anfangs hatte ich noch das Gefühl, Foer versucht, die Moralkeule weitgehend verpackt zu lassen. Er möchte es respektieren, dass Menschen unterschiedliche Lebensentwürfe und Moralvorstellungen haben und versucht, einen Weg aufzuzeigen, wie der Konsum von Fleisch nicht ganz so verheerende Auswirkungen auf das Wohl der Tiere haben könnte. Allerdings: so ganz gelingt es ihm nicht. Er kreidet es den Fleischessern zwar nie an und hüllt sich in einen Mantel der (vordergründigen) Toleranz, aber unterschwellig kommt eben immer wieder das “Aaaaber…” heraus. Ich habe mich an keiner Stelle wirklich angegriffen gefühlt, Foer möchte mit seinen Buch -angeblich- ja auch niemanden zum Vegetarismus bekehren, aber die Botschaft kommt trotzdem klar rüber.

Wenn man uns anbietet, uns einen Film darüber zu zeigen, woher unser Fleisch kommt, wissen wir, dass es ein Horrorfilm sein wird. Wir wissen vielleicht mehr, als wir zugeben, und schieben das in den hintersten Winkel unseres Bewusstseins – wir wollen damit nichts zu tun haben. Wenn wir Fleisch aus Massentierhaltung essen, leben wir buchstäblich von gefoltertem Fleisch.

“Tiere essen” hat mir mehr als einmal den Appetit so gründlich verdorben. Zu wissen, dass der Großteil des Fleisches, dass wir als Verbraucher konsumieren aus der Massentierhaltung stammt ist das eine. Dann aber ziemlich deutlich und ungeschönt über die Zustände in den Käfigen oder im Schlachthof zu lesen ist etwas anderes. Foer berichtet über die Zustände in den USA, aber machen wir uns mal nichts vor: auch hierzulande sieht es nicht besser aus. Im Anhang befindet sich übrigens noch eine Übersicht zur Sachlage in Deutschland. Normalerweise plädiere ich ja dafür, Bücher – falls möglich – in der Originalversion zu lesen, aber die Ergänzung war dieses mal ausschlaggebend für mich, dass ich die deutsche Version gekauft habe.

Es gäbe noch sehr viel mehr über dieses Buch zu erzählen, unterm Strich bleibt zu sagen: es ist verstörend, entsetzlich und – was mit Abstand am schlimmsten ist: wahr. Ich fühle mich zwar stellenweise manipuliert und ich habe mehr als einmal überlegt, “Tiere essen” abzubrechen. Ich habe es bis zur letzten Seite gelesen, weil ich das Gefühl habe, nicht mehr länger wegschauen zu können.

Heute zu essen wie alle anderen, heißt, ein Tropfen zu sein, der das Fass irgendwann zum Überlaufen bringt. Unter Tropfen ist vielleicht nicht der entscheidende, aber der Akt wird wiederholt – jeden Tag in unserem Leben.

See the english version:

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The Blood Guy

Buchstabenchaos hat es angekündigt…und hier bin ich: der Typ fürs Grobe / Blutige ;) . Ein paar meiner Lieblingsautoren sind … “Jack Kilborn”, “Bryan Smith”, “Cody McFadyen” … jeder der schonmal ein Buch von diesen Autoren in der Hand hatte weiß, das es in den Geschichten immer gut zur Sache geht.
Aber keine Sorge nur blutig, das wäre ja auf die Dauer auch langweilig. Mich faszinieren auch Psychothriller und ab und an greife ich auch mal zu einem Fantasy Buch. Also es gibt einiges worauf Ihr gespannt sein dürft…

Euer DarkSoul

Buchstabenchaos announced it…and here I am: the “Blood Guy” ;) . Some of my favorite writers are … “Jack Kilborn” “Bryan Smith” “Cody McFadyen” … Everybody who read a book by these writers knows that these storys are hardcore. But don’t worry, it’s not only blood what I like. That would be boring … I also like Psychothrillers and from time to time I pick a fantasy book. So stay tuned and see what will come…

Your DarkSoul

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