Monatsarchiv: Mai 2012

Hallgrimur Helgason – Zehn Tipps, das Morden zu beenden…

Tomislav Boksic, genannt Toxic steckt in der Klemme. Der kroatische Auftragskiller muss vor dem FBI flüchten und sitzt schließlich auf einer Toilette am Flughafen JFK fest. Wie das Schicksal es aber so will ist die Kabine nebenan besetzt und Toxic schickt den Nachbarn kurzerhand auf einen “verfrühten Abflug”. Dummerweise stellt es sich heraus, dass sein unglückliches Opfer wohl gute Connections nach ganz oben hat, Toxic hat “Father Friendly”, einen amerikanischen Fernsehprediger auf Durchreise nach Island erwischt. Aus Mangel an geeigneten Alternativen kommt Toxic wenig später in Reykjavic an und muss seine isländischen Gastgeber davon überzeugen, dass er in “heiliger Mission” unterwegs ist. Eine ganz schöne Herausforderung für einen Berufskiller, dem nichts anderes übrig bleibt, als die gute MWA-Taktik (möglichst wenig Aufmerksamkeit…) anzuwenden und sich bedeckt zu halten. Gar nicht so einfach, wenn man beim isländischen Bibelsender der Gastgeber auftreten soll…

Ehrlich gesagt macht mich “Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen” fast sprachlos. Der Roman ist so absurd und abgedreht wie der ungewöhnliche Titel es schon erahnen lässt. “Zehn Tipps…” ist eine Mischung aus Thriller und Komödie, und das in hoher Dosis. Helgason hat nicht nur beim Schreiben Vollgas gegeben, der gesamte Roman strotzt nur so vor absurd komischen Situationen und alleine die angewandte Ironie und der triefende Sarkasmus würde für mehrere Bücher reichen. Aber, und das ist das wirklich bewundernswerte daran: es fehlt der Geschichte trotz allen Witz nicht an Tiefe. Der Leser lernt den holprigen Lebensweg von Tomislav Boksic kennen und so ganz nebenbei erfahren wir auch noch etwas über Island.

Meine Angewohnheit, besonders gelungene Stellen mit einen Eselsohr am unteren Seitenrand zu markieren bringt mich bei den “Zehn Tipps” etwas in die Bredouille. Eigentlich müsste mein Exemplar jetzt aussehen wie ein explodierter Origami-Fächer, aber irgendwann musste ich leider mit den Eselsohren aufhören. Die “Zehn Tipps” sind einfach so vollgepackt mit genialen Wortwitz und charmanten neuen Bildern dass ich im Grunde genommen das ganze Buch markieren müsste. Helgasons Stil erinnert mich an Christopher Moore oder auch Matt Ruff, gepaart mit einer Thriller-Handlung. Zu zimperlich sollte man allerdings nicht sein, Helgason lässt schon die eine oder andere Breitseite los und nimmt gerade auch die Religion ziemlich auf die Schippe. Für Freunde des tiefschwarzen Humors sind die “Zehn Tipps” aber ein absolutes Muss!

P.S: Mein Abwasch hat sich leider immer noch nicht von selbst erledigt…

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Michael Hübner – Stigma

Tom Kessler war ein ganz normaler 13-jähriger, der eigentlich nur den verschossenen Fußball aus dem benachbarten Garten zurückholen wollte. Kaum über den Zaun geklettert geriet er in die Fangen eines Kindermörders. Mehrere Stunden wurde er im Keller gefangen gehalten und was er dort erlebt hatte war so grausam, dass er jede Erinnerung daran verdrängt hat. 13 Jahre sind seitdem vergangen, Tom ist mittlerweile ein erfolgreicher Schriftsteller, verheiratet und Vater eines 4-jährigen. Doch leider quälen ihn schlimme Ängste und Panikattacken. Er schafft es kaum, sein Haus zu verlassen, die jahrelange Therapie scheint nicht zu fruchten und es ist für ihn unmöglich, ein normales Leben zu führen. Erst recht, als in der Nähe eine Kinderleiche mitsamt Drohbrief an Tom Kessler gefunden wurde. Doch der Kindermörder von damals ist längst tot, wie kommt es also, dass im Brief Details enthalten sind, die nur der Täter wissen kann? Um dieses Rätsel zu lösen (und auch, um sein eigenes Leben in den Griff zu bekommen) willigt Tom schließlich zähneknirschend ein, es mit Hypnose zu versuchen. Eine Reise ins Unterbewusstsein, die nichts Gutes verheist…

Michael Hübners Debütroman hat es geschafft, mich von der allerersten Seite an zu fesseln. “Stigma” ist ein echter Pageturner und auch die Charaktere haben mich sofort gefesselt. Ich konnte es kaum erwarten, hinter Toms Geheimnis zu kommen und rauszufinden, ob der Täter von damals vielleicht doch nicht verstorben ist oder es einen Komplizen gegeben hat. Viel hätte nicht gefehlt, und ich hätte einige Seiten einfach übersprungen um schneller zur Auflösung zu kommen. (Normalerweise ist diese Aussage ja nicht gerade ein Zeichen von Qualität, aber in diesem Fall war die Spannung manchmal fast nicht zum aushalten.) Hübner hat mich mit einigen geschickten Wirrungen überrascht und ich war lange Zeit davon überzeugt, dass mich “Stigma” uneingeschränkt überzeugen würde.

Leider wird die Story für meine Begriffe aber an manchen Stellen unglaubwürdig. Die Szene der ersten Hypnosesitzung in seinem Haus, als Tom aus der Trance wieder erwacht…hmmmja. Ich bin keine Psychologin, aber es erscheint mir doch nur sehr sehr schwer vorstellbar, dass das Verhalten der beiden anwesenden Ärzte realistisch war. Das hat mich schon stutzig gemacht, aber Hübner hätte sich mit einer bestimmten Taktik noch rauswinden können. Hat er aber nicht, und die Wendung am Ende hat meine Hoffnung, den “perfekten deutschen Thriller” gefunden zu haben leider endgültig zerstört. Er bedient sich einer relativ trivialen Auflösung, die ich angesichts der geschickt aufgebauten Story nicht erwartet hätte. Es ärgert mich, es ärgert mich sogar wahnsinnig weil die Story so viel hergegeben hätte, aber dieses Ende hat “Stigma” in meinen Augen einfach nicht verdient.

Was Hübner allerdings geschafft hat: das, was Tom in den Fängen des Kindermörders erlebt hat war so grausam, dass es mir immer noch im Kopf herumgeistert. Und das, obwohl ich zunächst dachte, dass es ja nun doch nicht gar so schlimm wäre. Die wirklich bitteren Vorkommnisse kommen aber erst nach und nach ans Licht und ich habe immer wieder diese Vision, was wäre, wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, wie es sich wohl angefühlt hätte…

Unterm Strich kann ich “Stigma” jeden, der sich für ausgeklügelte Psychothriller begeistern kann empfehlen. Man darf aber einige Aspekte nicht zu genau hinterfragen und es schadet auch nicht, wenn man sich mit einem Auflösung anfreunden kann, die so manch einer schon in Schulaufsätzen verwendet hat. Ich jedenfalls hoffe, dass Hübner sich auch in dieser Hinsicht noch weiterentwickeln wird, vom Ende abgesehen hätte ich dann nämlich wirklich nichts mehr zu meckern. (und das soll was heißen, wenn es sich nicht gerade um Murakami handelt…)

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Hakan Nesser – Kim Novak badete nie…

…im See von Genezareth. Die beiden 14-jährigen Freunde Erik und Edmund dagegen schon. In den 60er-Jahren verbringen sie ihre Sommerferien unter der Obhut von Eriks älteren Bruder Henry in “Genezareth”, den Sommerhaus von Eriks Eltern. In der Stadt liegt seine krebskranke Mutter in der Zwischenzeit im Sterben und sein Vater sollte mit seiner Prognose, dass es ein “harter Sommer” werden würde leider recht behalten. Die erste Zeit in der Ferienidylle verläuft ruhig, doch das ändert sich schlagartig, als Ewa Kaludis, die Vertretungslehrerin der beiden auf einem Dorffest auftaucht. Henry, der bisher damit beschäftigt war, seinen “existentiellen” Roman zu schreiben beginnt eine Affäre mit Ewa, die unglücklicherweise aber mit dem Handballprofi Berra Albertsson verlobt ist. Und “Kanonen Berra” hat seinen Spitznamen nicht umsonst…

“Kim Novak badete nie im See von Genezareth” hat es wirklich in sich. Zuerst herrscht eine Bilderbuchidylle, aufgelockert von ein paar pubertären Ferienerlebnissen, aber dann kommt ein richtig heftiger Brocken. Zunächst konzentriert er sich auf die Ereignisse im Jahre 1962, später wechselt er in die Gegenwart und schließlich offenbart sich das Geheimnis, was im Sommer 1962 wirklich geschehen ist. Nessers lakonische, knappe Schilderung der Dinge ist schon fast poetisch und dadurch, dass er diesen Takt über die gesamte Handlung durchhält wirkt das Ende umso schockierender.

Ich gebe zu, über 2/3. des Buches habe ich mich gefragt, wo da denn jetzt eigentlich die Kriminalgeschichte versteckt ist. Trotz eines Mordes bleibt die Spannung konstant auf einem niedrigeren Level, aber gerade dadurch hat mir das Ende doch den Atem verschlagen. Und auch der ruhige Part überzeugt, Nesser versteht es einfach, die schwedische Landschaft in Worten einzufangen und den Leser an der Stange zu halten. “Kim Novak badete nie…” ist kein blutrünstiger Thriller, nichts für Gemüter, die es lieber hart als zart mögen, aber ich bin trotzdem – oder gerade deshalb – hin und weg. Das wird sicherlich nicht mein letztes Buch von Hakan Nesser gewesen sein.

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Mord in Germany?

“Made in Germany” – diese Herkunftsinformation ist immer noch eine Art Gütesiegel, die erstklassige Qualität aus germanischen Gefilden verspricht. “Mord in Germany” war für mich aber bisher eher Abschreckung als Kaufanreiz. Das Land der Dichter und Denker hat mich (nach meiner bisherigen Leseerfahrung, ich möchte hier allerdings keinesfalls behaupten, dass ich die deutsche Thrillerszene wie meine Westentasche kenne) bisher aber weniger als das Land der hervorragenden literarischen Henker überzeugt. Geht es dagegen um wirklich spannende Krimis und Thrillers haben mich die Deutschen doch eher enttäuscht. Vielleicht ist das auch einfach nur ein dummes Vorurteil, dass deutsche Autoren einfach nicht “richtig blutrünstig” sein können? Ich habe in der Vergangenheit jedenfalls bevorzugt nach amerikanischen Autoren gegriffen wenn ich es wirklich heftig blutig wollte. Aber: Versuch macht klug!

Ich bin gespannt, was die “deutsche Handwerkskunst” im Bereich Thriller leistet, neu auf meinen SuB gelandet sind jedenfalls:

Blutengel von Michael Koglin:

Geheimnisvolle Botschaften in die Haut der Opfer eingeritzt: die Handschrift eines perversen Serienmörders. Die 35-jährige Tanja Binkel wurde in ihrer Berliner Wohnung mit einem Fuß an der Decke aufgehängt. In ihren Oberschenkel ist ein lateinischer Spruch eingeschnitten worden: “Semper aliquid haeret.” – “Es bleibt immer etwas hängen.” An der Ostsee entdecken Polizisten eine weitere Leiche mit einem eingeritzten Satz. Dann ein Opfer in München und ein grausam hingerichteter Priester in Florenz. Der Hamburger Kommissar Mangold und seine Sonderkommission, zu der auch die Profilerin Kaja Winterstein gehört, arbeiten mit Hochdruck. Aber der Täter ist immer einen Schritt voraus – und die Tatorte werden immer bizarrer. Ein infames Katz-und-Maus-Spiel mit der Kriminalpolizei.

Die Reinheit des Todes von Vincent Kliesch:

Was würdest du tun, wenn dein größter Feind deine letzte Hoffnung ist? Ein Geheimnisvoller Serienmörder stellt das LKA Berlin vor scheinbar unlösbare Rätsel. Sein drittes Opfer, eine ältere Dame, wird in einem weißen Leinenhemd aufgebahrt auf ihrem Esstisch gefunden. Spuren gibt es keine, denn die Wohnung ist klinisch rein geputzt – ein Alptraum für die Ermittler. Die letzten Hoffnungen ruhen auf Julius Kern, der Jahre zuvor einen grausamen Massenmörder fassen konnte. Doch Kern ist daran fast zerbrochen. Während er nur langsam zu seiner alten Form zurückfindet, hat sein Gegner bereits das nächste Opfer im Visier.

Stigma von Michael Hübner:

Manchmal können Erinnerungen so grausam sein, dass man sie für immer vergessen will. Es beginnt erneut. Sie verlassen mich wieder, und du weißt, wie sehr ich es hasse, verlassen zu werden. Deinetwegen haben sie mir meine Schätze genommen, über die ich so fürsorglich gewacht habe. Ich habe es nicht vergessen, im Gegensatz zu Dir. Deshalb ist es an der Zeit, Dein Gedächtnis etwas aufzufrischen. Das Spiel ist noch nicht vorbei. Und diesmal werde ich vollenden, was ich an Dir begonnen habe. Dreizehn Jahre sind vergangen, seit Tom Kessler einem Kindermörder hilflos ausgeliefert war. Nun beginnt erneut ein Abstieg in die Hölle.

Auf “Stigma” bin ich über daves Buchwelt (übrigens ein sehr empfehlenswerter Blog!) aufmerksam geworden, ich bin gespannt, ob ich seine Meinung teilen werde. Wie sieht es bei euch aus, mögt ihr deutsche Thriller und habt ihr Empfehlungen für mich? Oder findet ihr, Mord und Totschlag bekommen ausländische Autoren besser hin?

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Noch ein Vorsatz…

Moonrise Kingdom anschauen!

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Neuer Vorsatz ;-)

rebloggt von 1001 Bücher - das Experiment:

Klicke, um den Original-Artikel zu besuchen

Hier zur späten - oder frühen - Stunde noch etwas, das, wie ich finde, JEDER Mensch beherzigen sollte:

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ohne Worte...

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Haruki Murakami – Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Mittlerweile ist es ja kein wirkliches Geheimnis mehr, dass ich a) Murakami sehr mag, b) selbst mehr oder weniger ernsthaft versuche, zu schreiben und c) mich ab und zu saublöd verletzte wenn ich Laufen gehe. Gerade deshalb habe ich Murakamis “Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede” verschlungen. “Wovon ich rede…” ist kein “normaler” Murakami aber auch kein Ratgeber über das Laufen oder Schreiben an sich. Im Grunde genommen erzählt Murakami einfach nur seine Geschichte: “Aufrichtig über das Laufen und aufrichtig über mich zu schreiben ist nahezu das Gleiche.”. Auf 165 Seiten nimmt Murakami den Leser mit auf seinen Werdegang, erzählt von seinem ersten Marathonlauf 1983 an der Geburtsstätte des Marathon aber auch seine Karriere als Autor kommt nicht zu kurz:

“Und auf einmal hatte ich – auch für mich ganz unerwartet – die Idee, einen Roman zu schreiben. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, in dem sie in mir aufstieg. Es war am 1. April 1978 gegen halb zwei Uhr nachmittags. Ich schaute mir gerade im Jingu-Stadion ein Baseballspiel an…”

Erstaunlich, dass Murakamis Karriere so plötzlich begann, ich hätte eher vermutet, dass er jahrelang in seinen einsamen Kämmerchen vor sich hingeschrieben hat und nach langer Zeit dann doch endlich mal eine Veröffentlichung erzielen konnte. Zum Laufen kam er auf ähnliche Weise, seine Vorgehensweise beim Sport schlägt sich auch in seiner Arbeit nieder:

“Es kommt mir allein darauf an, eine bestimmte Strecke zu schaffen. Wenn ich mein Pensum schneller absolvieren möchte, lege ich auch schoon mal einen Spurt ein, aber wenn ich das Tempo erhöhe, verkürze ich auch die Laufzeit. Jedenfalls kommt es mir darauf an, das Wohlbefinden, dass ich am Ende jedes Laufs empfinde, auf den nächsten Tag zu übertragen. Den gleichen Trick wende ich an, wenn ich einen Roman schreibe.”

“Im Beruf des Schriftstellers gibt es – zumindest was mich betrifft – weder Sieg noch Niederlage. Verkaufszahlen, Literaturpreise oder Kritikerlob sind vielleicht äußere Zeichen des schriftstellerischen Erfolges, aber nichts davon zählt. Entscheidend ist nur, ob das Geschriebene das Ziel erreicht, das man sich als Autor gesetzt hat.”

Für die meisten von uns wäre es schon ein ziemlich ergeiziges Ziel, einen Marathon (immerhin 42,195Kilometer!) überhaupt zu schaffen. Murakami hat es sich zur Gewohnheit gemacht, jedes Jahr mindestens einen Marathon zu laufen. Offen und ehrlich erzählt er davon, wie bitter es für ihn war, als er feststellen musste, dass er die Ziele, die er sich früher gesteckt hat einfach nicht mehr erreichen konnte. Trotzdem hat er – meines Wissens nach bis heute – nicht aufgegeben:

“Falls ich eines Tages einen Grabstein bekomme und die Aufschrift selbst wählen darf, möchte ich, dass dort Folgendes steht: Haruki Murakami, Schriftsteller (und Läufer), zumindest ist er nie gegangen.”

Für mich ist “Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede” ein sehr motivierendes Buch, es macht sowohl aufs Laufen als auch aufs Schreiben Lust. Wenn man aber weder mit dem einen noch mit dem anderen etwas anfangen kann und Murakami ohnehin nicht mag, sollte man sich wohl lieber eine andere Lektüre suchen. Handfeste Trainingstipps oder Schreibratschläge bekommt man in diesen Buch auch nicht, dafür sind im Mittelteil aber einige Fotos enthalten, die Murakami bei diversen Läufen oder auch beim Triathlon zeigen. Unterm Strich ein sehr persönliches Buch, dass ich jeden halbwegs sportaffinen Murakami-Liebhaber nur ans Herz legen kann.

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Wie kommen die Bücher auf die Erde?

Ein Buch, dass ich immer wieder gerne zur Hand nehme, obwohl ich es schon einige Jahre besitze ist “Wie kommen die Bücher auf die Erde” von Rainer Groothuis. Ich habe es am Ende meines Praktikums im Lektorat von meinen Kollegen bekommen und es erinnert mich an die tolle Zeit, die ich im Verlag hatte. Einem Buch auf die Welt helfen macht nämlich tatsächlich glücklich, und dieses Buch gibt allen, die es interessiert einen kurzweiligen Einblick.

Das Bücher nicht einfach mal eben nebenbei entstehen dürfte eigentlich jeden klar sein, in diesem Buch lernt man alles rund ums Bücher produzieren im Schnelldurchlauf kennen. Welche Rolle spielt der Verleger, wie wird ein Buch hergestellt, was gibt es bei der Kalkulation zu beachten…? Von A wie Autor bis Z wie Zwischentitel führt dieses Buch durch die Entstehungsgeschichte eines Buches. Besonders gut gefallen mir die vielen Illustrationen, Buchtitel und Ausflüge in die Typographie. Leider kommt dabei aber der Inhalt an mancher Stelle etwas zu kurz, was aber zu verkraften ist, schließlich ist “Wie kommen die Bücher auf die Erde?” kein Fachbuch, dass eine Anleitung zur Buchherstellung sein will sondern eine Einführung in die faszinierende Arbeitswelt der “Büchermenschen”.

Groothuis macht auch den “Otto-Normal-Leser” klar, dass es um Bücher zu produzieren vor allen Dingen eines braucht: Leidenschaft. Diese Leidenschaft merkt man den Hersteller und Geschäftsführer des Verlags Klaus Wagenbach an, diese Leidenschaft ist ansteckend und zumindest auf mich springt der Funke immer wieder über. Ein tolles Buch für alle Leseratten und Schreiberlinge, ich habe mir schon oft vorgenommen, es (natürlich neu gekauft, meine Ausgabe geb’ ich nicht mehr her!) an liebe buchaffine Menschen zu verschenken. Ich sollte es endlich mal tun!

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Die guten alten Zeiten…Birth of a book

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Ferdinand von Schirach – Schuld

Ich liebe Kurzgeschichten, wenn sie dann auch noch vom Leben selbst von einem sprachgewandten Rechtsanwalt geschrieben wurden und den Leser mit der moralischen Frage von Schuld oder Unschuld konfrontieren kann ja eigentlich nichts schief gehen…oder?

Die Rede ist von Ferdinand von Schirachs Kurzgeschichtensammlung “Schuld”, die ich im Rahmen der Lesefreunde-Aktion bekommen (und auch schon fleißig verteilt) habe. “Schuld” ist Schirachs zweites Werk, bereits 2009 konnte er mit seinem Debüt “Verbrechen” einen überraschenden literarischen Erfolg verbuchen. Meiner Ansicht nach zu Recht, sein Schreibstil ist klar, fast schon minimalistisch, kein Wort zu viel, aber eben auch kein Wort zu wenig. Schirach schildert sachlich und nüchtern wahre Fälle, mit denen er in seinem beruflichen Alltag als Anwalt konfrontiert wurde. Diese Geschichten werfen Fragen auf, die über die reine Schuldfrage hinaus reichen und nicht pauschal beantwortet werden können.

Da wäre zum Beispiel der Fall eines Mädchens, dass im Bierzelt von einigen Männern der örtlichen Blaskapelle vergewaltigt wurde. Ein anonymer Zeuge informiert die Polizei, dennoch lässt sich dieser Fall nie vollständig klären und endet daher ohne Verurteilung. Diese und einige andere Geschichten haben mich ziemlich betroffen gemacht, sie zeigen, dass Recht haben und Recht bekommen zwei unterschiedliche Aspekte sind, die nicht unbedingt immer vereinbar sind. Manche Täter, deren Schuld eigentlich eindeutig bewiesen ist müssen trotzdem wegen Verfahrensfehlern freigesprochen werden. In manchen Fällen ist die Schuldfrage aber auch eine Auslegungssache und dem Gericht steht ein gewisser Ermessensspielraum zu. Und nicht immer gehen Anwälte nach einen eigentlich gewonnen Fall mit einem guten Gefühl aus dem Gerichtssaal.

“Schuld” ist ein Ausflug in die Abgründe der menschlichen Seele, zeigt aber auch, dass es im Prinzip jeden treffen kann, jeder kann durch eine unglückliche Verkettung der Umstände zum Straftäter werden. Beeindruckend fand ich, dass Schirach den Balanceakt zwischen beruflicher Professionalität (er enthält sich einer persönlichen Wertung, eine Haltung, die für seinen Beruf unabdingbar ist) und fesselnder Erzählkunst scheinbar spielend meistert. Manche seiner Fälle sind weniger spektakulär, andere lassen mich fassungslos zurück und eine Menge Fragen gehen mir durch den Kopf: Warum? Wie geht es weiter? Und wie kann es sein, dass…?

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