Monatsarchiv: April 2012

Adrian McKinty – Ein letzter Job

Eigentlich ist Killian ja schon “in Rente”, der wortgewandte Gangster hat sich aus seinen Geschäft zurückgezogen. Aus einer finanziellen Notlage heraus hat der Vagabund sich aber dazu entschieden, einen letzten Job anzunehmen. Er soll die Exfrau von Richard Coulter, Besitzer einer Fluglinie aufspüren. Eine halbe Million Pfund bietet Coulter ihn, wenn er die verschwundene Ex sowie die beiden Töchter findet und zurück bringt. Zunächst denkt Killian, Rachel und die Kinder aufzuspüren wäre nur ein gewöhnlicher, nicht sonderlich anspruchsvoller Job, aber auf der Jagd auf die abtrünnigen Coulters wird ihm klar, dass der Job einen Haken hat und es sich nicht einfach nur um ein Familienzerwürfnis handelt. Plötzlich ist ein skrupelloser russischer Killer hinter ihn her und als er Rachel schließlich findet ändert sich seine Situation gravierend.

Vielversprechende Story, nur leider hängt es ein bisschen an der Umsetzung. Für meinen Geschmack ist einiges einfach zu sehr an den Haaren herbei gezogen, einige Konflikte schwelen nicht lange genug sondern sind einfach auf einen Schlag da. Ein Stilmittel, das man durchaus verwenden kann, allerdings geht es hier auf Kosten der Spannung. Mir fehlt das Vorspiel, ich werde nicht genug geteased um wirklich voll in die Geschichte eintauchen zu können. Außerdem stören mich Logikfehler. Es gibt z.B. eine Szene, in der beschrieben wird, dass Killian sich Badewasser einlässt. Anschließend rasiert er sich und verlässt das Haus. Äh…okay? Kleinkram, mag sein, aber wenn solche Dinge vermehrt auftauchen stört es mich schon sehr.

Letztendlich werde ich mit Adrian McKintys Stil nicht warm. Zu viel “aye”, zu viel irischer Lokalkolorit und zu wenig Charakter. Ich habe leider auch nach den fast 400 Seiten kein richtiges Bild vom Protagonisten im Kopf, auch wenn die Story gegen Ende hin durchaus wieder etwas Fahrt aufnimmt. Allerdings nicht genug, ich habe einfach mehr erwartet und fand insbesondere das Ende dann auch sehr unbefriedigend.

Vielen Dank an vorablesen.de und den Suhrkamp-Verlag!

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Franka Potente – Zehn

Zehn: Frau Nishki hat ihren Mann verloren und wird sich erst bei der Zubereitung ihres Lachseintopfes wieder bewusst, was ihr im Leben eigentlich fehlt. Die junge Miyu tanzt heimlich in einen Nachtclub und verliebt sich in einen zurückhaltenden Polizisten. Ein japanisches Ehepaar ist zu einem offiziellen Dinner  eingeladen und verwechselt die Geschenke, statt Pralinen kann sich der Vorgesetzte über einen “Massagestab” freuen. Mit diesen und sieben weiteren Geschichten entführt die Schauspielerin Franka Potente den Leser ins geheimnisvolle Japan.

Franka Potente gelingt es, mit ihren Geschichten einen Einblick in die “Seele Japans” zu gewähren, allerdings ist mir ihr Schreibstil – wenngleich doch verhältnismäßig knapp und einfach gehalten – immer noch zu überladen. Das ist aber jetzt wirklich Meckern auf hohen Niveau, ich kann “Zehn” ohne Bedenken weiterempfehlen, allerdings muss man eben im Hinterkopf behalten, dass Frau Potente keine Japanerin ist und ihre Einblicke nur die eines Zaungasts sind. Sie kommt den Kern der japanischen Mentalität – zumindest wie ich ihn mir vorstelle – aber trotzdem recht nahe.

Die japanische Gesellschaft ist kompliziert, als “Gaijin” (japanisch: Mensch von draußen, sprich: ein Nicht-Japaner) kann man nie vollkommen in Japan ankommen und vollwertiger Teil der Gesellschaft werden, egal wie sehr man sich auch integriert. Diese Tatsache klingt in ihren Geschichten mit, deshalb habe ich “Zehn” auch als recht authentisch empfunden. Potentes Protagonisten sind zwar Japaner bzw. japanischer Abstammung, stehen aber dennoch auf die eine oder andere Weise nicht inmitten der japanischen Gesellschaft. Oder eben: gerade weil sie in der Mitte der Gesellschaft stehen sind sie einsam und verloren. Das Gefühl, dass ihre Geschichten bei mir hinterlassen haben wiegt die Tatsache, dass sie mir an manchen Stellen zu wortreich und blumig formuliert sind auf jeden Fall auf.

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Best Exotic Marigold Hotel

Die Story von “Best Exotic Marigold Hotel” ist schnell erzählt: Eine Handvoll englischer Rentner suchen einen geruhsamen Ort, um dort ihren Lebensabend zu verbringen und finden schließlich ausgerechnet in einen heruntergekommenen Hotel in Indien ihr Glück. Statt ebenerdigen Räumen mit Haltegriffen und Notfallklingeln und qualifizierten Pflegepersonal erwartet die Rentner zum einen der quirlige Junghotelier Sonny, zum anderen allerdings auch Vögel in verdreckten Zimmern. Von kaputter Einrichtung und einen verfallenen Gebäude war in der Hochglanzbroschüre, die einen luxuriösen Lebensabend zwar nicht die Rede, aber nach einigen Irrungen und Wirrungen schließen (fast) alle der sieben Engländer ihren Frieden mit Indien.

“Best Exotic Marigold Hotel” ist vollgestopft mit skurillen Situationen, die einen die Tränen vor Lachen ins Auge treiben. Es ist einfach zum schreien, wie Douglas (Bill Nighty) versucht, Evelyns (Judy Denchs) Telefon zu reparieren. Oder wie Maggie Smiths Charakter Muriel von der verbitterten Rentnerin, die eine Hüftoperation nach Indien geführt hat und das Land verabscheut eine Wandlung durchmacht und schließlich sogar die Buchhaltung des Hotels in die Hand nimmt. Die rüstigen Renter alleine haben schon so viel Charme, dass die Liebesgeschichte zwischen den jungen Sonny und seiner Freundin Sunaina in den Hintergrund rückt. Klar, an Klischees wurde nicht gespart, der Kontrast zwischen den anfangs sehr steifen Engländern und den quirligen, chaotischen Indien wirkt stellenweise zwar etwas überzeichnet, tut dem Kinospaß aber letztendlich keinen Abbruch.

Die Botschaft des Films ist einfach: es ist nie zu spät, etwas aus seinen Leben zu machen. Scheitern kann eigentlich  nur, wer es erst gar nicht versucht und so finden die Charaktere ihren Seelenfrieden auf ganz unterschiedliche Weise. Das ist das schöne an “Best Exotic Marigold Hotel”: der Film lebt nicht von oberflächlichen Witzen sondern von den einzelnen Charakteren. Die tolle Besetzung, eine originelle Story, bei der auch die Hintergrundgeschichte der einzelnen Protagonisten zum tragen kommt, viel Humor, aber auch eine kräftige Prise Melancholie: “Best Exotic Marigold Hotel” ist ein toller Film, den ich wirklich nur empfehlen kann.

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Home is where the [he]art is

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23.4.2012: Heute ist Welttag des Buches!

…und ich hoffe, dieser Tag ist ein gutes Omen. Um meiner Schreibtätigkeit mal ein bisschen auf die Sprünge zu helfen habe ich mir ein neues Schreibgerät zugelegt. Es heißt ja immer: Zuckerbrot und Peitsche. Nachdem ich meine Dosis Peitsche völlig unerwartet in Form von einer matschigen Wanderung durch unwegsames Gelände (danke liebe VHS, eigentlich hatte ich mich ja zu einem SCHREIBkurs – mit einen KLEINEN Spatziergang -  angemeldet…) schon am Samstag bekommen habe wird es Zeit für das Zuckerbrot, dieses mal aus dem moses Verlag. Ich fürchte allerdings, irgendwann wird auch noch die Nietzsche-Variante bei mir einziehen müssen: “Ich brauche nichts als ein Stück Papier und ein Schreibwerkzeug, dann werde ich die Welt aus den Angeln heben.” Aber ich bin ja Anfängerin, also schauen wir mal, wie weit mich Mark Twain bringt.

Ansonsten werde ich auch weiterhin fleißig missionieren an der Verbreitung des gedruckten Wortes arbeiten. In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen frohen Welttag des Buches!

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Musikalischer Mittwoch – jetzt schlägts aber zwölf!

12 Wochen Musikalischer Donnerstag Mittwoch, dieses mal hat sich Katie wieder ein tolles Thema ausgedacht: Ein Song, der dich an deine/n beste/n Freund/in erinnert. (sorry fürs gendern) Mein Problem dieses mal: ich habe ein Problem mit Prioritäten, das zeigt sich nicht nur im Alltag wenn ich mich für oder gegen etwas entscheiden soll, sondern eben auch jetzt. Wieso soll ich ein Freundesranking machen? Ich möchte wirklich keine einzige Person aus meinen Freundeskreis missen und ich habe ein wirklich großes Problem wenn ich jemanden als beste/n Freund/in küren müsste. Aber auch dafür gibt es einen Song:

Wenn man mal von der Tatsache absieht, dass es im Song eigentlich um Beziehungen/Affären geht trifft es mein Seelenleben was Freundschaften angeht ganz gut. Aber ein paar Einzel-Ehrungen gibt es doch noch:

Für die Frau, der ich es zu verdanken habe, dass ich einmal in einer Schulaufführung Jesus spielen musste mit der ich viele viele Stunden mit ihrer Gitarre verbracht habe und die mir sogar ein paar Bröckchen Bayerisch (kon I imma no ned!) beigebracht hat:

Für einen “Zwilling im Geiste”, der so völlig anders als ich ist und gerade deshalb so perfekt zu mir passt:

Für eine Leidensgefährtin, ohne die ich niemals wilde Nächte überstanden das Studium geschafft hätte:

Für meinen “Lieblingszwerg”:

Für den Mann an meiner Seite:

Ich könnte noch endlos so weitermachen, aber jetzt stehe ich vor einen neuen Problem: Mir fallen keine Songs ein. Es gibt da noch ein paar Kandidaten in meinen Leben, die noch dringend einen Song brauchen. Aber ich sehe es jetzt einfach mal so: dass wir noch keinen Song haben heißt nur, dass wir  noch soooooo viel Zeit haben, um einen zu finden!

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Lesefreunde

Normalerweise verschenke ich Bücher, die ich selbst schon gelesen habe (also: verschenkt wird natürlich ein neues, ungelesenes Exemplar…) oder von denen ich zumindest vermute, dass sie was für den Empfänger sind. Und genau wie das zu verschenkende Buch wird auch der Empfänger handverlesen. Es kommt also eher selten vor, dass ich das Buch, dass ich verschenke nicht kenne. Nie Noch seltener kommt es vor, dass ich den Empfänger des Geschenks nicht kenne. Dank der Lesefreunde-Aktion kann ich meine Vorliebe für Bücher verschenken freien Lauf lassen und einfach mal spontan irgendjemanden ein Buch in die Hand drücken.  (okay, zugegebenermaßen: bisher sind die Bücher in bekannte Hände gewandert, aber bei 30 Stück pro Exemplar ist ja noch etwas Luft…) Jetzt steht also ein Paket mit “Schuld” von Ferdinand von Schirach und eines mit Daniel Kehlmanns “Die Vermessung der Welt” in meinen vier Wänden. Die ersten Reaktionen der Opfer beschenkten Personen: ungläubiges Staunen und positive Überraschung. Ja, Schenken macht Spaß und Geben scheint tatsächlich seeliger zu sein als Nehmen. Bleibt nur noch zu hoffen, dass meine bessere Hälfte – der eigentliche Empfänger des “Schuld”-Pakets – nicht auch noch Freude am Bücher-Verschenken bekommt.

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1Q84 oder: warum ich Murakami liebe

“Aber diese Art zu lesen entspricht mir im Augenblick sehr. Sie gefällt mir besser, als einer fortlaufenden Handlung zu folgen, zu lesen, um zu erfahren, was als Nächstes passiert. Wie soll ich es beschreiben – die Zeit verhält sich unregelmäßig und sprunghaft. Als spiele es eigentlich keine Rolle, was vorher und was nachher geschieht oder umgekehrt. Die Reihenfolge ist irgendwie egal.”

Diese Worte legt Haruki Murakami seiner Protagonistin Aomame in seinem Roman 1Q84 (3. Buch) in den Mund, er benutzt diese Worte, um Aomames Empfinden bei der Lektüre von Prousts “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” auszudrücken. Zugleich trifft er aber den Nagel auf den Kopf, besser könnte ich mein Empfinden bei der Lektüre von Murakamis Romanen auch nicht beschreiben:

“Fast kommt es mir vor, als würde ich die Träume eines anderen Menschen lesen. Simultan miterleben, was er fühlt. Ohne verstehen zu können, worum es eigentlich geht. Obwohl die Empfindungen mir sehr nah sind, ist die wirkliche Distanz riesig.”

Sein aktuellstes Werk “1Q84″ teilt sich in drei Bücher, Teil 1 und 2 sind bereits in einem Band erschienen, Teil 3 wurde 2011 veröffentlicht. Nicht so geschickt, wenn ihr mich fragt. Ich bin einfach so überhaupt gar kein Fan von geteilten Werken, egal, ob es sich um Serienstaffeln oder Bücher geht. “1Q84″ habe ich trotzdem verschlungen, die lange Pause dazwischen war zu schaffen da sich die Handlung lebhaft ins Gedächtnis gräbt:

“1Q84″ erzählt die Geschichte von drei Menschen, die zunächst einmal nicht sehr viel miteinander zu tun hat. Da wäre die junge Fukaeri, die ihre Familie und deren Sekte “Die Vorreiter” verlassen und einen Roman geschrieben hat. Der Schriftsteller und Mathematiklehrer Tengo bekommt dieses Werk über seinen Verlag und bearbeitet es als Ghostwriter. Und schließlich bekommt die Fitnesstrainerin Aomame einen geheimnisvollen Auftrag, der sie in Kontakt mit dem “Leader” der Sekte “Die Vorreiter” bringt. Ihre Wege kreuzen sich und alle drei finden sich in der Parallelwelt von 1Q84 wieder…

Ganz ehrlich: ich kann Murakami nicht immer lesen. Für Murakami muss ich in Stimmung sein. Es passiert auch, dass ich lange Zeit keinen Murakami lesen kann, nach “Kafka am Strand” hatte ich z.B. eine lange Murakami-Leseblockade. Viele können mit Murakami ja generell nichts anfangen und es trifft mich immer wieder, wenn ich missioniere Freunden Murakami empfehle und sie dann so gar nichts damit anfangen können. Aber es ist wohl einfach so, Murakami gefällt nicht jeden und ich habe das Gefühl, es ist mit Murakami wie mit Marzipan z.B.: man liebt es oder man hasst es. Dazwischen gibt es nichts.

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In the shape of things to come…musikalischer Mittwoch XI

In the shape of things to come…ist das nicht schön, wenn der Song, den man ausgesucht hat und der vielleicht einer der prägendsten Songs für mich überhaupt war auch noch eine Textzeile hat, die prima zum Thema des musikalischen Mittwochs passt? Dieses mal geht es um einen Song aus deiner Jugend.

Was meine Jugendzeit betrifft…da fällt mir die Wahl dieses mal ziemlich leicht:

Ich habe entdeckt, dass Filme nicht nur nette Unterhaltung sondern auch ernsthafte musikalische Inspirationsquelle sein können. Eiskalte Engel! Worum es eigentlich um den Film geht habe ich mittlerweile allerdings schon fast vergessen. Den Soundtrack liebe ich heute noch heiß und innig, und: Placebo! Viele Jugendlieben entpuppen sich ja letztendlich als Strohfeuer, meine Jugendlieben haben mich allerdings alle ziemlich geprägt, Placebo haben sich sogar zu einer Liebe meines Lebens entwickelt.

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Das Leben ist gar nicht so. Es ist ganz anders.

“In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes.”, so Andy Warhol. Umso trauriger macht es mich, dass viele Künstler im Mainstream untergehen, sei es in der Literatur, in der Musik oder eben auch in der Kunst. Einer dieser Fälle, der 2011 verstorbenen Künstlerin Elisabeth Endres ist nun im Penzberger Stadtmuseum eine Ausstellung gewidmet. Noch bis zum 3. Juni 2012 sind dort um die sechzig Bilder und Zeichnungen der Künstlerin zu sehen.

Leider wird der Flyer den Bildern einfach nicht gerecht, aber das ist wohl ein allgemeines Problem, es ist einfach etwas ganz anderes, live vor einem großen Werk zu stehen als eine kleine Abbildung anzuschauen. Ihre Bilder haben mich sehr beeindruckt, die Ausstellung ist zwar verhältnismäßig klein, aber lohnt sich definitiv. Alleine die Anordnung mancher auf den ersten Blick scheinbar nicht miteinander zusammenhängenden Bilder zu einem Triptychon fand ich sehr inspirierend, Endres versteht es, ihren roten Faden subtil unterzubringen und hat mich damit sehr beeindruckt. Ich gebe zu, nicht mit allen ihrer Bilder kann ich etwas anfangen, aber einige ihrer Werke berühren mich dafür umso mehr. Zu schade, dass es sie nicht als Poster gibt, aber schön, dass die Künstlerin nun wenigstens posthum ihre 15 Minuten bekommt.

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